Der Weltkrieg am 9. März 1915

DEUTSCHER HEERESBERICHT - ÖSTERREICHISCHER HEERESBERICHT - TÜRKISCHER HEERESBERICHT

 

 Der deutsche Heeresbericht:

5500 Russen gefangen

Großes Hauptquartier, 9. März.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Auf der Loretto-Höhe entrissen unsere Truppen den Franzosen zwei weitere Gräben, machten 6 Offiziere, 250 Mann zu Gefangenen und eroberten zwei Maschinengewehre und zwei kleinere Geschütze.
In der Champagne sind die Kämpfe bei Souain noch nicht zum Abschluß gekommen. Nordöstlich von Le Mesnil wurde der zum Vorbrechen bereite Gegner durch unser Feuer am Angriff gehindert.
In den Vogesen erschwert Nebel und Schnee die Gefechtstätigkeit. Die Kämpfe westlich von Münster und nördlich von Sennheim dauern noch an.
Östlicher Kriegsschauplatz:
Östlich und südlich von Augustow scheiterten russische Angriffe mit schweren Verlusten für den Feind.
Nordöstlich von Lomza ließ der Feind nach einem mißlungenen Angriff 800 Gefangene in unseren Händen.
Nordwestlich von Ostrolenka entwickelte sich ein Kampf, der noch nicht zum Abschluß kam.
In den für uns günstig verlaufenen Gefechten nordwestlich von Prasznysz machten wir 3000 Gefangene.
Russische Angriffe nördlich von Rawa und nordwestlich von Nowemiasto hatten keinen Erfolg. 1750 Russen wurden hier gefangen genommen

Oberste Heeresleitung. 1)

 

Der österreichisch-ungarische Heeresbericht:

Die russischen Angriffe an der Karpathenfront

Wien, 9. März, mittags.
Amtlich wird verlautbart:
An der Front nördlich der Weichsel hielt der lebhafte Geschützkampf auch gestern an. Südlich Lopuszow wurden Angriffe der Russen mühelos abgewiesen.
Der im Raume bei Gorlice durchgeführte Vorstoß brachte noch weitere Gefangene ein. Die gewonnenen Stellungen wurden trotz mehrfacher Versuche des Feindes, sie wiederzuerobern, überall behauptet.
Ununterbrochen wiederholen sich an der Karpathenfront feindliche Angriffe, die je nach der Entwicklungsmöglichkeit bald mit starken, bald mit untergeordneten Kräften durchgeführt werden. So wurden auch gestern wieder an mehreren Stellen heftige Angriffe der Russen, die bis an unsere Verhaue herangekommen waren, unter schweren Verlusten des Gegners zurückgeschlagen. Weitere 600 Mann des Feindes blieben bei diesen Kämpfen als Gefangene in unseren Händen.
Die seit den letzten Tagen in den Karpathen wieder vorherrschenden ungünstigen Witterungsverhältnisse fordern von den in dieser Gefechtsfront verwendeten Armeekörpern ganz außergewöhnliche Leistungen. In ständigem Kontakt mit dem Gegner, sind die Truppen oft Tag und Nacht im Kampf und vielfach gezwungen, auch bei strenger Kälte und hohem Schnee Angriffsbewegungen auszuführen oder in der Verteidigung Angriffen weit überlegener feindlicher Kräfte standzuhalten. Dem Verhalten unserer braven Truppen sowie jedem einzelnen, der an diesen Kämpfen Anteil hat, gebührt uneingeschränkt Lob.

  Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.
v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. 1)

 

Der türkische Heeresbericht:

Der Krieg im Orient

Konstantinopel, 9. März. (W. B. )
Aus dem Großen Hauptquartier wird gemeldet:
Gestern beschossen drei feindliche Panzerschiffe, ohne eine Wirkung zu erzielen, drei Stunden lang aus der Ferne mit langen Zwischenpausen die Forts von Smyrna, worauf sie sich zurückzogen. Vormittags setzten sie das ebenfalls wirkungslose Feuer eine Stunde lang fort. Diese beiden Beschießungen richteten keinen Schaden an und verursachten keinen Verlust.
Am Nachmittag beschossen vier englische Kriegsschiffe in Zwischenräumen unsere Batterien an den Dardanellen außerhalb der Treffweite unserer Batterien. Sie zogen sich dann, ohne ein Ergebnis zu haben, nach Tenedos zurück. Ein feindlicher Kreuzer im Golf von Saros, der die Umgebungen von Harab und Bulair beschoß, wurde von zwei Granaten auf der Brücke getroffen.
Als die Engländer versuchten, längs des Flusses Karun im Irak vorzugehen, erlitten sie eine neue Niederlage. Drei Bataillone englischer Infanterie mit zwei Schnellfeuerfeldgeschützen und zwei Berggeschützen, eine Maschinengewehrabteilung und eine Eskadron versuchten am 3. März, unsere Stellungen in der Gegend von Ahvaz anzugreifen. Nachdem unsere Truppen und Freiwilligen einen Gegenangriff unternommen und der Feind 400 Tote und Verwundete verloren sowie eine große Zahl von Gefangenen in unseren Händen zurückgelassen hatte, floh er durch den Karunfluß in Unordnung nach seinen südlich Berder und Naßhie festgemachten Schiffen. Unter den Toten befinden sich ein englischer Major und vier andere Offiziere. Wir erbeuteten zusammen mit allem Zubehör und Munition drei Kanonen, 500 Gewehre, 200 Pferde und eine große Menge Sanitätsmaterial. Unsere Verluste sind unbedeutend.
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Die Beschießung der Dardanellen

Tschanak-Kaleh (Dardanellen), 9. März.
Der Vertreter des Wolff-Bureaus erfährt über die Vorgänge des 3. März verlässig folgendes:
Der Feind beschoß die Außenforts Kum-Kaleh und Sed-ül-Bahr durch 8 bis 10 Schiffe mit etwa 1000 Granaten und Schrapnells vom Morgen bis zum Abend. Yeni Schehr und Kum-Kaleh waren den ganzen Tag in Flammen und Rauch gehüllt. Trotzdem wich die türkische Infanterie keinen Schritt zurück. Unter dem Schutze des Feuers der Schiffe erreichten kleine feindliche Truppenkörper das Land. Türkische Infanterie ging mit Gewehrfeuer und Handgranaten vor, während das feindliche Landungskorps durch Schiffsbesatzungen auf etwa 400 Mann stieg. Das mörderische türkische Feuer zwang bei Sonnenuntergang das Landungskorps zum Rückzug. Die Verluste des Feindes betrugen 70 bis 80 Mann. Die Türken beobachteten, wie die Engländer die Gefallenen ins Meer warfen. Die türkischen Truppen verdanken diesen Erfolg der großen Tapferkeit und Kaltblütigkeit und ihrer meisterhaften Führung. Bei Sedd-ül-Bahr landete der Feind 60 Mann, die der Unteroffizier Mustapha Oghlou Mehmed mit 20 Mann im Bajonettkampf zurückschlug. Die gesamten türkischen Verluste in beiden Kämpfen betragen 6 Tote und 35 Verwundete. Kum-Kaleh sowie die ganze Küste ist von Türken besetzt.
Über die Kämpfe vom 7. März meldet derselbe Korrespondent:
Zwei englische Schiffe vom "Agamemnon" und eines vom "Nelson"-Typ sowie französische Linienschiffe eröffneten mittags neuerdings das Feuer gegen das Fort Meschidie, mit einem Hagel von Geschossen größten Kaliber, worauf das gegenüberliegende Fort Hamidie mit dem schwersten Geschütz eingriff. Gleich bei den ersten Schüssen erzielte es drei Treffer, die das feindliche Schiff zwangen, die Feuerlinie zu verlassen, was von der Mannschaft des Forts mit einem freudigen Hurra begrüßt wurde. Sogleich richtete der Feind ein heftiges Feuer gegen das Fort Hamidie. 35 Zentimeter-Geschosse durchheulten die Luft, Explosionen machten die Erde erbeben, die Häuser der ganzen Stadt Tschanak-Kaleh erzitterten. Zu kurz gefallene Geschosse wühlten riesige Wasserhosen auf. Nach einem vierstündigen heftigen Artilleriekampf dampfte der Feind dem Ausgang der Dardanellen zu. Obgleich auf feindlicher Seite 400 Schüsse abgefeuert worden waren, ist das Fort Hamidie unbeschädigt, nur eine verlassene Kaserne wurde beschädig. Unzählige Granatsplitter liegen umher.
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Beschießung türkischer Kohlenhäfen im Schwarzen Meer

Konstantinopel, 9. März. (W. B.)
Die russische Flotte bestehend aus fünf Linienschiffen, drei Kreuzern, zehn Torpedobooten und mehreren Dampfern, ist am 7. März vormittags vor den Kohlenhäfen des Eregli-Gebietes an der Südküste des Schwarzen Meeres erschienen und hat die Hafen Zunguldak, Koslu, Eregli und Alabli beschossen. Auf Zunguldak wurden über 1000 Schuß abgegeben. Ein Dampfer wurde versenkt. In Koslu gerieten einige Häuser in Brand. In Eregli, auf das über 500 Schuß abgegeben wurden, wurden vier Dampfer, ein Segler zum Sinken gebracht, darunter ein italienischer und ein persischer Dampfer. Zwei weitere Dampfer wurden beschädigt. (Die erwähnten Ortschaften liegen alle in der Nähe von Zunguldak, wo die russische Flotte schon einmal die Anlagen der französischen Bergwerksgesellschaft beschossen hat. D. Red.)

Petersburg, 9. März. (W. B.)
Die russische Schwarze Meer-Flotte hat Zunguldak beschossen. Die Beschießung verursachte einen großen Brand in der Stadt. Eine türkische Granate traf die russische Jacht "Almas" und richten einen Brand an, der schnell gelöscht wurde. Drei Mann wurden schwer verwundet. Ein Leck unter der Wasserlinie wurde ausgebessert, die Schiffsmaschinen sind unbeschädigt.
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Der Kabinettswechsel in Griechenland


König Konstantin

Veniselos

Gunaris

Athen, 9. März. (Priv.-Tel.)
Nach vorliegenden zuverlässigen Meldungen stützte der König seine Ansicht betreffend das weitere Verharren in der Neutralität hauptsächlich auf militärische Gründe, während der Premierminister mehr Gewicht auf politische Gründe legte, die nach seiner Ansicht Griechenland zur Teilnahme am Kampf gegen die Türkei nötigten. Da eine Einigung nicht möglich war, erfolgte der Rücktritt des Kabinetts. Der König dankte dem bisherigen Premierminister für seine verdienstvolle Tätigkeit. Veniselos selbst empfahl dem König Herrn Zaimis als Nachfolger wegen seines umsichtigen und maßvollen Charakters, wies aber darauf hin, daß das neue Kabinett lieber nicht vor der Volksvertretung erscheine und der König auch keine Auflösung der Kammer vornehme. Nachdem Zaimis die Bildung des Kabinetts im Prinzip angenommen hat, dürfte er morgen die Liste der Mitglieder dem König vorlegen.

Athen, 9. März. (W. B.)
Die "Agence d´Athenes" meldet.
Gunaris hat heute Nachmittag um 4 Uhr dem König die Liste des neuen Kabinetts vorgelegt. Die Besetzung der Portefeuille ist folgende: Vorsitz und Krieg Gunaris; Auswärtiges Zographos; Verkehr Baltadjis; Kultus und öffentlicher Unterricht Vozikis; Finanzen Protopapadekis; Inneres Triantaphyllakos; Volkswirtschaft Autatias; Justiz Tsaldars; Marine Stratos. Der König hat die Liste genehmigt. Das neue Kabinett wird morgen früh seinen Eid leisten.

Athen, 9. März. (Priv.-Tel.)
Nach einer Meldung der "Agence Havas" gehört Gunaris, der die Bildung des neuen Kabinetts übernommen hat, zur Partei Theotokis. Gunaris war früher Finanzminister und legte sein Amt nieder, als eine von ihm eingebrachte Vorlage über die Einkommensteuer scheiterte.
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Der 1. Weltkrieg im März 1915

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Textquellen:
1) Amtliche Kriegs-Depeschen nach Berichten des Wolff´schen Telegr.-Bureaus  
Band 2
Nationaler Verlag, Berlin (1915)

2) "Frankfurter Zeitung" (1915)

 

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